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An den Ufern der Seine – Buchvorstellung

Für ein Geschichtsbuch mutet der Titel: „An den Ufern der Seine – Die magischen Jahre von Paris 1940 – 1950“ schon sehr romantisch an. Und tatsächlich, wer trockene Kost erwartet, der wird enttäuscht werden. Kein Wunder, schließlich verspricht schon der Klappentext des Buchs, dass Agnès Poirier „mit großer Erzählkunst den Flair und das geistig-künstlerische Leben in einer der aufregendsten Metropolen der Welt lebendig“ macht. Was dich wirklich in „An den Ufern der Seine“ von Agnès Poirier erwartet, das erfährst du in der nachfolgenden Buchvorstellung.

Das Buch startet mit einer Chronologie. Aufgelistet werden die wichtigsten Ereignisse der Jahre 1939 bis 1949. Sie dient der Einstimmung auf den nachfolgenden Inhalt, bei dem viele der hier kurz aufgeführten Ereignisse noch einmal im Detail, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Darunter fällt beispielsweise die Schließung des Louvres und die damit verbundene Evakuierung der darin beherbergten Kunstschätze noch vor Beginn des zweiten Weltkriegs, die Besetzung Paris, die Widerstandsbewegung vieler Pariser, darunter auch Künstler und Intellektuelle, wie Jean-Paul Satre oder Simone de Beauvoir, sowie natürlich die Nachkriegszeit mit all ihren Irrungen und Wirrungen.

Hat man sich erst einmal einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse der damaligen Zeit verschafft, geht es auch schon an die Auflistung der handelnden Personen im Buch. Und das sind einige. Ganze 32 Personen werden noch vor dem ersten Kapitel aufgelistet, abgesehen von Satre und Beauvoir darunter so illustre Name, wie Pablo Picasso, Samuel Beckett oder auch Juliette Gréco. Die Auflistung ist dabei alles andere als vollständig. Im Laufe des Buchs wird man auf eine Reihe weitere Namen stoßen als die hier aufgeführten 32 Namen. Tatsächlich kommen so viele unterschiedliche Protagonisten zur Sprache, dass man schnell beim Lesen den Überblick verlieren kann. Einige Namen, wie beispielsweise Satre, Picasso, Beauvoir oder auch Camus fallen dabei so häufig, dass man zu der ein oder anderen historischen Person immerhin eine gewisse Bindung aufbauen kann und sie letztendlich damit nicht nur eine Randbemerkung bleibt.

Nachdem man sich durch die Chronologie, den handelnden Protagonisten und einer kleinen Karte mit dem „linken Ufer von Paris“ vertraut gemacht hat, geht es dann auch endlich zu einer kurzen Einleitung, ehe der erste von insgesamt vier Teilen erzählt wird. Während der erste Teil von den (Vor)Kriegsjahren 1938 bis 1945 erzählt, handeln die drei nachfolgenden Kapitel von der Zeit nach dem Krieg.

Poirier lässt die Pariser Zeit dabei wirklich lebendig werden. Man bekommt einen Einblick in die damalige Zeit aus Perspektiven die man so aus keinem Geschichtsbuch aus der Schule kennt. Poirier ist dabei sehr sprunghaft und lässt den jeweiligen betrachteten Zeitabschnitt aus der Perspektive der unterschiedlichsten Protagnisten wiedergeben. Diese Sprunghaftigkeit zwischen Personen und Zeiten steigert leider auch die Komplexität an einigen Stellen des Buchs.   

Was bisher vielleicht nicht ganz klar war und was auch beim oberflächlichen Betrachten des Buchs nicht klar wird, ist die Frage, was „An den Ufern der Seine“ denn nun genau ist. Ist es einfach eine etwas lebendig beschriebene Chronologie? Und wie viel künstlerische Freiheit hat sich Agnès Poirier bei der Nacherzählung der damaligen Geschehnisse gelassen? Da sich die Autorin diesen Fragen unter anderem auch in der Einleitung angenommen hat, würde ich sie an dieser Stelle gerne selbst zu Wort kommen lassen:

„An den Ufern der Seine ist weder literarische Fiktion noch akademische Analyse, sondern ein erzählerisches Porträt des Pariser Lebens in der Zeit zwischen 1940 und 1950: eine Rekonstruktion, eine Bildcollage, ein Kaleidoskop von Schicksalen, das auf verschiedensten Quellen und Dokumenten beruht.“

Ebenfalls sind Interviews von damaligen Zeitzeugen, sowie der Abgleich mit Informationen aus Archiven in das Buch mit eingeflossen. Selbst die damaligen Orte hat Poirier aufgesucht, um die „damalige Atmosphäre einzufangen und Objekte berühren zu können, die auch die von [ihr] verfolgten Geister der Vergangenheit berührt hatten.“ Unter anderem schafft sie es so, ein sehr lebendiges Abbild der damaligen Zeit zu schaffen. Beim Lesen fühlt man sich in eine Zeit zurückversetzt, die gleichauf bedrückend als auch inspirierend zugleich war.

Fazit

Für Frankreich- und insbesondere Paris-Liebhaber ist „An den Ufern der Seine“ von Agnès Poirier ein absolutes Muss. Sie schafft es wie kaum eine Zweite die damaligen Geschehnisse noch einmal zum Leben zu erwecken. Als Leser taucht man in eine Zeit, die man so aus den Geschichtsbüchern, aus diesen Perspektiven noch kaum gesehen hat. So ist das Buch auch für alle andere Geschichtsinteressierten eine Empfehlung, die die Nachkriegszeit auch aus einem anderen Blickwinkel noch einmal betrachten wollen. Angeschnitten werden im Buch die verschiedensten Themen, von Politik, Sexualität, Film, Philosophie und vielen weiteren Künsten. Vieles kennt man dabei bereits aus vertiefenden Werken, das ein oder andere Neue wird aber auch dabei sein.

Das Buch wird vom Klett-Cotta Verlag vertrieben und ist aktuell für 25 Euro beim Buchhändler um die Ecke oder natürlich auch bei Amazon.de erhältlich.

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