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Was ist die Goldene Bulle?

Goldene Bulle einfach erklärt

Die Goldene Bulle ist ein Dokument, das im Jahr 1356 von den Kurfürsten und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches verkündet wurde. Es handelt sich bei der Bulle um ein Verfassungsdokument, in dem wichtige Regelungen zur Thronfolge im Heiligen Römischen Reich festgelegt wurden. Eine der wichtigsten Bestimmungen der Bulle war, dass eine Gruppe aus Kurfürsten der deutschen Königreiche, sowie einige geistliche Anführer, über den neuen Kaiser des Reiches abstimmen sollten. Was es sonst noch zur Goldenen Bulle zu wissen gibt, sowie eine Zusammenfassung der Goldenen Bulle von 1356, findet man nachfolgend.

Das Dokument war eines der wichtigsten Stücke der Gesetzgebung des Heiligen Römischen Reiches und hatte bis zu dessen Ende, als 1806 durch den verlorenen Krieg gegen Napoleon das Reich aufgeteilt wurde, Bestand.
Die Bulle trug maßgeblich zur friedlichen Kooperation der verschiedenen Königreiche bei. Dank einer klaren Regelung zur Nachfolge von Kaisern gab es keine großen Erbkriege mehr und die vielen kleinen Königreiche akzeptierten die Entscheidungen des Rates der Kurfürsten.

Der Name der Goldenen Bulle kommt aus dem Lateinischen. „Bulla“, woraus später das Wort Bulle entstand, bedeutet so viel wie Versiegelung oder Kapsel. Der Name des Dokuments kommt vom goldenen Material, das für die Versiegelung des Buches benutzt wurde. Ursprünglich wurde die Goldene Bulle, bevor sich dieser Name durchsetzte, Kaiserliches Gesetzbuch genannt.

Nachdem die Goldene Bulle im ganzen Reich an Bekanntheit gewann, wurde das Wort Bulle immer öfter als Begriff für wichtige Urkunden verwendet. Wenn der Papst im Mittelalter beispielsweise wichtige Bekanntmachungen per Brief senden ließ, wurde von Päpstlichen Bullen gesprochen.

Wann und wo entstand die Goldene Bulle?

1356 kehrte der damalige Kaiser Karl IV. von einem Feldzug in Italien zurück und berief einen Hoftag in Nürnberg ein. Der Hoftag war eine wichtige Versammlung der verschiedenen Fürsten des Reiches und konnte vom Kaiser einberufen werden, wenn dieser neue Gesetze verabschieden oder bestehende verändern wollte. In diesem Fall berief Karl IV. den Hoftag ein, um die Wahl des Kaisers endgültig niederzuschreiben und die Rechte der Fürsten und Könige festzuhalten.

Die Goldene Bulle besteht aus zwei Dokumenten: Kapitel eins bis 23 wurden auf dem Nürnberger Hoftag verkündet und traten am 10. Januar 1356 in Kraft. Der zweite Teil der Bulle wurde auf einem späteren Hoftag in Metz verkündet. Am 25. Dezember desselben Jahres wurden die Kapitel 24 bis 31 dort in Kraft gesetzt, sie waren vor allem als Ergänzungen für die vorherigen Kapitel gedacht.

Vor allem Nürnberg ist heute als Entstehungsort der Bulle bekannt und hatte auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches deshalb noch eine große Bedeutung für deutsche Herrscher. So verlegte Adolf Hitler seine Reichsparteitage nach Nürnberg, um an die Goldene Bulle zu erinnern und sich als Herrscher über sämtliche deutsche Gebiete zu legitimieren.

Welchen Inhalt hat die Goldene Bulle?

In der Goldenen Bulle ging es vor allem darum, bestehende Bräuche festzuhalten und damit zu untermauern. Der Rat der Fürsten hatte bereits mehrere Jahrzehnte zuvor neue Kaiser auf die Weise bestimmt, wie sie in der Goldenen Bulle aufgeführt ist.

Zunächst wurde in der Bulle der Ort der Abstimmung festgelegt. Traditionell wurden diese Abstimmungen immer in Frankfurt am Main durchgeführt. Die Bartholomäuskirche, heute deshalb auch als Kaiserdom bekannt, wurde als Tagungsort festgelegt.

Frankfurt wurde als Abstimmungsort gewählt, weil die Stadt zentral im Reich gelegen war und die Anreise für die verschiedenen Fürsten so weniger umständlich war. Frankfurt hatte zudem mit seiner Lage am Main eine gute Anbindung an den Schiffverkehr, außerdem wurde die Stadt schon lange von Händlern als Umschlagplatz und Verkehrsknoten genutzt.

Es wurde festgeschrieben, dass dem Erzbischof von Mainz, der als Mitglied des Kollegiums Frankfurt am nächsten war, die Aufgabe zu Teil wurde, die Mitglieder des Kollegiums nach dem Tod des bisherigen Monarchen innerhalb von 30 Tagen zu informieren. Diese mussten sich dann sofort auf den Weg nach Frankfurt machen, um die Übergangszeit so kurz wie möglich zu halten.

Vor der Abstimmung mussten alle Mitglieder des Kollegiums schwören, ihre Stimme ohne geheime Absprache und ohne Entgegennahme von Bestechungsgeldern abzugeben.

Anschließend wurden in der Bulle die sieben Personen aufgeführt, die bei der Abstimmung das Wahlrecht besaßen.

  • Der Erzbischof von Trier stimmte als Kanzler für Burgund ab.
  • Der Erzbischof von Köln gab stellvertretend für den Teil des Reiches seine Stimme ab, der sich im heutigen Italien befand. Seine Aufgabe war es auch, nach einer erfolgreichen Wahl, den neuen Kaiser zu krönen. Diese Zeremonie fand bis 1531 in Aachen statt.
  • Der König von Böhmen, heute ein Teil von Tschechien, war als Fürst des Heiligen Römischen Reiches und Erzschenk des Reiches ebenfalls stimmberechtigt.
  • Der Pfalzgraf bei Rhein musste seine Stimme auch abgeben. Er war seines Zeichens der Erzverweser aller Teile des Reiches, in denen nicht-sächsisches Recht galt.
  • Sein Gegenstück war der Herzog von Sachsen. Er war Erzverweser für alle Teile des Reiches, in denen sächsisches Recht galt. Zudem war er Erzmarschall des Reiches.
  • Eine weitere Stimme hatte der Markgraf von Brandenburg. Zudem war er Erzkämmerer des Reiches.
  • Als Letzter gab der Erzbischof von Mainz seine Stimme ab. Er war als Kanzler von Deutschland der mächtigste im Kollegium und war so im Fall eines Unentschiedens dafür zuständig, mit seiner siebten Stimme eine Entscheidung herbeizuführen.

Kam es zu Komplikationen, wie Uneinigkeiten zwischen den Fürsten, wurden in der Bulle auch Regelungen festgeschrieben. War 30 Tage nachdem die Fürsten zusammengetroffen waren, immer noch keine Entscheidung gefallen, wurden ihre Nahrungs- und ihre Getränkeauswahl beschränkt. Statt Braten und Wein gab es dann nur noch Brot und Wasser, was zu schnellen Entscheidungen führte.

Warum wurde die Goldene Bulle ins Leben gerufen?

Die Geschichte der Bulle begann 1245, als das bis dahin im Heiligen Römischen Reich herrschende Königshaus, die Staufer, vom Papst als illegitim bezeichnet wurden. Innozenz VI., der von Rom aus immer noch sehr viel Macht über das Reich hatte, sorgte so für Spannungen zwischen den einzelnen Königreichen. Friedrich II., damals der Kaiser der Heiligen Römischen Reiches, konnte dem Druck der Fürsten nicht mehr standhalten und war gezwungen, den Thron zu räumen.

Die Zeit der geregelten Erbmonarchie war vorbei. Die Fürsten konnten sich nicht einigen, wer nun den Kaisertitel erhalten sollte und es kam zu einem Machtvakuum. Geistliche und weltliche Anführer konnten sich nicht auf einen Nachfolger einigen, weshalb es zu Erbschaftskriegen und doppelten Wahlen kam.

Schließlich konnte sich Graf Rudolf IV., Teil des Hauses der Habsburger, bei einer Wahl 1273 eine Mehrheit der Stimmen sichern. Da eine solche herrschaftslose Zeit nie wieder vorkommen sollte, einigten sich die Kurfürsten und Erzbischöfe darauf, das Kollegium zu bilden, das jeden neuen Monarchen wählen sollte.

Welchen Zweck hat die Goldene Bulle?

Das Heilige Römische Reich war ein loser Staatenbund, kein einheitlicher Nationalstaat. Die vielen kleinen Territorien hatte selbst wenig Macht und sahen sich von starken Nachbarn umgeben. Königreiche wie Frankreich, England oder Polen hatten sich schon lange zu großen Staaten zusammengeschlossen und waren so deutlich organisierter als das Heilige Römische Reich.

Ein Kaiser, der über alle Gebiete dieses Reichs bestimmen konnte und im Kriegsfall alle Armeen der einzelnen Gebiete anführen konnte war ein wichtiges Instrument, um sich gegen äußere Einflüsse verteidigen zu können. Die Wahl des Kaisers und die Rechte der Kurfürsten, wie sie in der Goldenen Bulle niedergeschrieben sind, sollten Ordnung und Ruhe in den chaotischen Staatenbund bringen. Ein Staatsoberhaupt, hinter dem alle Fürsten und damit alle Teile des Reiches stehen konnten, hatte mehr Legitimität und damit mehr Verhandlungsmacht gegenüber anderen Königreichen.

Außerdem konnte durch die geregelte Machtübergabe ein großer Teil von internen Konflikten vermieden werden. Erbfolgekriege, wie es sie nach dem Abdanken des letzten Staufer-Königs 1245 gab, kosteten das Heilige Römische Reich Kraft und schwächten es enorm. Wenn interne Konflikte vermieden werden konnten, war es besser möglich, nach außen hin Stärke zu zeigen.

Kurze Zusammenfassung der Goldenen Bulle von 1356

Im ersten Kapitel der Bulle geht es um die Zusammensetzung der Begleitung der Kurfürsten. Ihr Gefolge darf nicht zu groß sein, damit die Stimmabgabe der anderen Fürsten nicht beeinflusst wird.

In den Kapiteln zwei bis fünf geht es um die Wahl des Kaisers. Darin werden die Stimmberechtigten genannt, deren Sitzordnung und deren Rechte während der Wahl.

Im sechsten Kapitel werden die Kurfürsten von den normalen Fürsten des Heiligen Römischen Reiches abgegrenzt. Das Wahlrecht im Kollegium und weitere Privilegien werden hier aufgezählt.

Im siebten Kapitel geht es um die Nachfolge in den einzelnen Kurfürstentümern. Hier handelt es sich um eine Erbmonarchie, bei der männliche Erben bevorzugt werden.

In den Kapiteln acht bis 23 werden Rechte für einzelne Mitglieder des Kollegiums festgehalten. Besprochen werden unter anderem das Münzrecht des Königs vom Böhmen, das Versammlungsrecht der Kurfürsten, deren Freiheiten und die Rechte und Pflichten der Erzbischöfe, die ebenfalls im Kollegium sitzen. Auch der Prozess des Segnens, vor allem bei der Krönung des Kaisers, wird hier genau beschrieben. Die Kurfürsten haben bei der Krönungszeremonie ebenfalls festgeschriebene Rollen, die sie einhalten müssen, um so dem neuen Kaiser ihre Ergebenheit zu zeigen.

Kapitel 24 bis 31, die in Metz beschlossen wurden, behandeln grob die gleichen Themen, wie die vorherigen Kapitel, führen deren Regelungen aber noch etwas genauer aus.

So werden hier die genauen Ankunftsfristen für die Kurfürsten festgelegt, die Tischordnung bei der Abstimmung und die Orte für Wahl und Krönung werden auch festgehalten. Zudem wird im 31. Kapitel festgehalten, dass eine Unterrichtung der Gesetze auch in italienisch, slawisch und lateinisch stattfinden soll.

In diesem Video gibte s noch einmal eine Zusammenfassung der Goldenen Bulle 1356

Oberes Bild: Seite aus der von König Wenzel in Auftrag gegebenen Prunkhandschrift, 1400 - Quelle

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