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Was war das Wartburgfest im Jahre 1817?

Das Wartburgfest war eine politische Massenkundgebung zahlreicher Studenten. Die Mitglieder der Burschenschaft in Jena luden zahlreiche Vertreter deutscher Universitäten zu einem „Nationalfest“ ein, das auf der Wartburg stattfinden sollte. Als Vorbild dienten die Volksfeste der Französische Revolution sowie die Festveranstaltungen der Turnbewegung.

Die Kundgebung fand auf der Wartburg bei Eisenach im Bundesland Thüringen statt, ungefähr 500 Personen waren daran beteiligt. Ziel und Intention des Wartburgfestes bestand in der Forderung nach Freiheits- und Grundrechten sowie der Gründung eines deutschen Nationalstaates.

Nachfolgend findest du mehr rund um das Wartburgfest.

Wann fand das Wartburgfest statt?

Das Ereignis des Wartburgfestes fand am 18. Oktober 1817 statt. Dieses Datum war nicht rein zufällig festgelegt, sondern man wählte jenen Tag Mitte Oktober anlässlich des 300. Jahrestags der Reformation. Damals schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.

Zudem wollte man bei der Terminwahl ein weiteres wichtiges Datum berücksichtigen: die Völkerschlacht bei Leipzig, welche 1813, also vier Jahre zuvor, stattgefunden hatte.

Warum wählte man die Wartburg?

Man wählte für das Fest genau diesen Ort, da er in zweierlei Hinsicht gerade mit Blick auf seinen starken Symbolcharakter geeignet schien.

Der erste Grund ist ganz praktischer Natur: die Wartburg lag ganz in der Nähe der Stadt Jena, hier wurde die erste Burschenschaft gegründet. Diese wiederum galt als Verfechter der Idee einer nationalen Einheit sowie des Freiheitsgedankens.

Ein zweites weiteres Argument, welches den Ort der Wartburg für die Kundgebung unterstützte, war ein Andenken an den Reformator Martin Luther. Dieser hatte dreihundert Jahre zuvor auf dieser Burg an seiner Bibelübersetzung gearbeitet und durch Fertigstellung dieser der deutschen Sprache besonderes Gewicht verliehen. Zugleich fungierte diese Übersetzung als eine Art Zeichen des Widerstands gegen jede Form kultureller Fremdherrschaft.

Wer waren die Teilnehmer des Wartburgfestes?

Zu der Kundgebung erschienen ungefähr fünfhundert Studenten, die aus insgesamt dreizehn Universitäten stammten. Dieser Anteil machte damals in etwa ein Achtel der damaligen akademischen Jugend aus. Fast alle Teile Deutschlands waren vertreten, sogar Studenten der Universität Kiel, die nördlichste vertretene Hochschule, reisten für das Wartburgfest an. Österreichische Studenten hingegen wohnten dem Fest nicht bei. Der Grund hierfür ist relativ simpel, da die Gründung von Burschenschaften sowie eine mögliche Mitgliedschaft in solchen Organisationsformen in Österreich untersagt waren. Auch einige Professoren der Universität in Jena wohnten der Veranstaltung bei.

Zudem lässt sich hinzufügen: Etwas mehr als die Hälfte der anwesenden Studenten führten ein Studium, das auf eine Stelle im Staats- oder Kirchendienst abzielte. Außerdem stammten rund 50 Prozent der Teilnehmer aus Beamtenfamilien.

Was waren die Ziele des Wartburgfestes?

Die Hauptziele bestanden in der Kundgebung des Protestes gegen die reaktionäre Politik und Kleinstaaterei. Als Resultat darauf plädierten die Teilnehmer des Wartburgfestes für einen Nationalstaat mit einer eigenen Verfassung. Unter dem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ wurden zudem Forderungen nach Freiheits- und Grundrechten deutlich.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Die Studenten einigten sich in ihrem Grundprogramm auf Forderungen nach nationaler Einheit, nach menschlichen Grundrechte und Freiheitsrechten sowie einer gesamtdeutschen Verfassung.

Wie war der Ablauf des Wartburgfestes?

Im Jahr 1815 wurde in der Stadt Jena die sogenannte Urburschenschaft gegründet. Gründungsväter waren Studenten, die Anhänger patriotischen Gedankenguts waren und diese Burschenschaft als Reaktion auf die Restauration ins Leben riefen.

Zwei Jahre später luden sie schließlich zum Wartburgfest ein, eine Veranstaltung und Massenkundgebung, die der Idee eines „Nationalfest“ nacheiferte. Symbolisch wurde zur Feier dieses Festes zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene Flagge der deutschen Nationalbewegung gehisst und damit öffentlich zur Schau gestellt.

Bei den Teilnehmer des Wartburgfests wurden starke Wünsche nach einem Leben in Freiheit sowie dem Recht nach freier Meinungsäußerung deutlich. Zudem sollte ein Einheitsstaat Deutschland angestrebt werden, der eine auch eine einheitliche Verfassung trug. Die Menschen, die zu diesem Zeitpunkt in Deutschland herrschten, hielten allerdings von solchen Ideen nichts und wollten an ihren Besitzständen festhalten und ihre Vorrechte nicht abgeben.

Da dieses Gedankengut der Restauration und das Klammern an der "alten Zeit" in starkem Kontrast zu den Forderungen, Wünschen und Ideen der Mitglieder des Wartburgfestes stand, machen sich bereits hier die entstehenden Differenzen zwischen beiden Parteien deutlich bemerkbar.

Ganz nach dem Motto des Wahlspruchs „Ehre, Freiheit, Vaterland“ wandten sich zunächst einigen Studenten und Professoren im Rittersaal der Burg mit Reden an die Teilnehmer. Nachdem man den Choral "Nun danket alle Gott", welcher seit der Schlacht von Leuthen 1757 als die „preußische Hymne“ bekannt geworden war, gemeinsam gesungen hatte, wurde die Kundgebung mit einem Schlusssegen beendet. Im Anschluss darauf folgte ein Festmahl, welches von Trinksprüchen und Hochrufen auf den Reformator Martin Luther geprägt war.

Während das Wartburgfest bis zu diesem Mahl gesittet und ordentlich von statten ging, änderte sich dieser Eindruck durch die folgende Bücherverbrennung. Nach dem Essen zogen die Mitglieder des Festes auf dem Wartenberg, der sich in der Nähe der Wartburg befindet. Es folgte die Verbrennung zahlreiche Bücher und Gegenstände mit Symbolcharakter. Dieser zeigte sich darin, dass zumeist reaktionäre sowie antiliberale Schriftstücken zerstört wurden. Nach einer kurzen Ansprache begann die gewagte Aktion damit, dass unter Jubelschreien verschiedene Gegenstände verbrannt wurden.

»Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen! Ich sage Unwissenheit, denn in dieser Beziehung war jene frühere Opposition, die wir unter dem Namen »die Altdeutschen« kennen, noch großartiger als die neuere Opposition, obgleich diese nicht gar besonders durch Gelehrsamkeit glänzt. Eben derjenige, welcher das Bücherverbrennen auf der Wartburg in Vorschlag brachte, war auch zugleich das unwissendste Geschöpf, das je auf Erden turnte und altdeutsche Lesarten herausgab: wahrhaftig, dieses Subjekt hätte auch Bröders lateinische Grammatik ins Feuer werfen sollen!«

Heinrich Heine Gedanken über die Bücherverbrennung, in Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Viertes Buch, 1840

Dazu zählten verschiedene Teile einer preußischen Soldatenuniform sowie eine hessischer Soldatenzopf und eine österreichischer Korporalstock. Des Weiteren fanden mehrere Bücher ihren Weg ins Feuer, deren Autoren als reaktionär eingestuft wurden. Darunter zählte zum Beispiel die "Geschichte des Deutschen Reichs", vom Schriftsteller und russischen Generalkonsul August von Kotzebue verfasst, sowie die "Germanomanie", deren Autor Saul Ascher war. Dieser hatte sich zuvor abfällig über die Wortführer der deutschen Nationalbewegung geäußert. Zudem fiel auch der "Code civil", das wegweisende französische Bürgerliche Gesetzbuch von 1804, den Flammen zum Opfer.

Was waren die Folgen des Wartburgfests?

Als Folge der Ereignisse des Wartburgfestes einigten sich alle Beteiligten auf die Gründung einer Allgemeinen Deutschen Burschenschaft als Gesamtverband. Zudem trug das Wartburg fest dazu bei, dass die Farben Schwarz-Rot-Gold als deutsche Nationalfarben festgelegt wurden, verkörperten diese doch symbolisch die Nationalbewegung. Die Teilnehmer des Wartburgfestes waren schließlich die ersten, die eine Fahne mit diesen Farben hissten.

Dabei beobachteten die Fürsten des Landes die vaterlandsliebenden Studenten sehr kritisch, missfiel ihnen doch die aktive Organisation der Studenten in den Burschenschaften.

Nach einer Zeit der Repression, die unter anderem durch die Ermordung August von Kotzebues sowie dem Erlass der Karlsbader Beschlüsse von 1819, welche die Organisation in Burschenschaften untersagte, ausgelöst wurde, stauten sich die zu erreichenden Forderungen an. Im Ausbruch der deutschen Revolution im Jahre 1848 entluden sich die Spannungen schließlich.

Veröffentlicht am 2. Juli 2010, zuletzt aktualisiert am 13.04.2020

15 Gedanken zu „Was war das Wartburgfest im Jahre 1817?

  1. Michi Kol

    Echt gut gemacht. Dankeschön :)Sowas gut verständliches habe ich gesucht 🙂

  2. Gast223

    Sehr schön, danke!

    Übrigens: "Durch den Verlauf des Wartburgfestes sahen sie DIE Vorzeichen einer Rebellion".

  3. Ich

    Wenn man nicht gerade in dem Thema drinnen ist finde ich "undeutsche" Bücher und "Symbole der Unterdrückung" etwas ungenau ,aber für meine Zwecke genau das Richtige zum Recherchieren.

  4. Bob Maier

    Wooooooooooooooow Suuuuuuper Seite hat mich gefreeeeeeeuuuuuuut :)))))))))))))))

    LG:BOB MAIER

  5. instabitch3.0

    hallo liebe community.
    beim lesen dieser Seite ist uns aufgefallen, dass sie die Ereignisse der Wartburgfestes hier gut zusammengetragen wurden und deshalb vielen dank für die Hilfe!!!!!!!!!!

  6. hans Müller

    Hallo.
    Ich finde die Seite sehr sehr hilfreich und hat mir dementsprechend weiter geholfen.
    Vielen Dank!

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