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Truman-Doktrin

Truman Doktrin einfach erklärt

Die Truman-Doktrin, benannt nach dem 33. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Harry Truman, war eine wichtige Richtlinie der internationalen Nachkriegszeit. Angesichts der Trümmer, die der Zweite Weltkrieg vor allem in Europa hinterlassen hatte, musste eine neue Weltordnung geschaffen werden. Das schloss auch die Errichtung einer neuen Machstruktur mit ein, doch welche der als Sieger aus dem Krieg hervorgegangenen Großmächte würde das entstandene Vakuum füllen?

Diese Fragen beschäftigten vor allem die USA und die Sowjetunion, die sich beide als Protagonisten der sich festigenden bipolaren Weltordnung sahen. Durch den Sieg über die Achsenmächte und Nazi-Deutschland erhielt das jeweils nationale Selbstbewusstsein einen Schub. Die Vereinigten Staaten wollten die eigene Stellung stärken und sich als westliche Großmacht des modernen 20. Jahrhunderts positionieren.

Was nun die sogenannte Truman-Doktrin genau besagt, das erfährt man nachfolgend.

Was besagt die Truman-Doktrin?

Kern der Doktrin ist die Eindämmung und Zurückdrängung des Kommunismus, des großen Gegenpols der liberalen Marktwirtschaft und des Kapitalismus. Das größte, mächtigste und zugleich offen kommunistische Land war die Sowjetunion, die ihre Macht durch den Einzug im besiegten Deutschland ausbauen konnte.

Die amerikanische Regierung unter Harry Truman war überzeugt davon, dass die UdSSR unersättlich in ihrem Streben nach Einfluss war und andere Länder unter ihre Kontrolle bringen wollte, um sie in Satellitenstaaten zu verwandeln. Diese sollten sich wirtschaftlich und politisch ganz auf der Linie der Sowjetunion befinden und so das Gewicht des Landes auf der internationalen Bühne verstärken. Um dieser für die USA bedrohlichen Entwicklung gegenzusteuern und die eigenen Auffassungen von internationaler Zusammenarbeit, Kooperation und Machtverteilung, wurde schließlich die Truman-Doktrin kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausgearbeitet. Sie sollte die amerikanische Außenpolitik im Rahmen der "Containment Policy"/"Containment Politik", auf Deutsch Eindämmungspolitik, auch unter den kommenden Präsidenten nach Truman maßgeblich bestimmen.

Konkrete Inhalte der Doktrin

Folgende Punkte beinhaltete die Doktrin des amerikanischen Präsidenten:

1. Selbstbestimmungsrecht für die sogenannten "freien Völker". Das bedeutete, dass freie Wahlen, Meinungsfreiheit und Demokratie herrschen sollten. Der Terminus "freie Völker" bezog sich hauptsächlich auf die Länder Europas, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg ohne autoritäre Führung wiederfanden und so noch "neutralen Boden" darstellten. Die USA wollte - und das war der eigentliche Kernpunkt der Truman-Doktrin - bedrohten Staate Hilfe in jeglicher Form zukommen lassen, sei es wirtschaftlich, politisch oder militärisch.

Der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Bürgerkrieg in Griechenland 1946-1949: Kommunistische Rebellen stellten sich gegen die Regierung und wurden von der UdSSR unterstützt. Die USA fürchteten ein neues Mitglied in der sowjetischen Anhängerschaft und unterstützten daher die griechische Regierung, zusammen mit Großbritannien, gegen die Rebellen in militärischer Form.

Truman's Rede "A Fateful Hour" (1947) über die Unterstützung für Griechenland und der Türkei um den Kommunismus zu stoppen

2. Die Eindämmung des Kommunismus als Priorität der amerikanischen Außenpolitik. Das bedeutete: Länder, die sich mit der UdSSR verbündeten und die wirtschaftlichen Maßnahmen der USA gegen sie ignorierten, wurden auf eine schwarze Liste gesetzt. So sollte die UdSSR politisch isoliert und die kommunistische Doktrin an ihrer Ausbreitung gehindert werden.

3. Von dem Prinzip der Verteidigung der "freien Länder" gegen die Bedrohung des Kommunismus leiteten die USA sich das Recht ab, falls notwendig in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzugreifen. Dies markierte einen neuen Grad an Konfliktbereitschaft gegenüber der Sowjetunion, die immerhin zu der Koalition der Alliierten im Zweiten Weltkrieg gehört hatte und gemeinsam mit den USA die Nationalsozialisten besiegt hatte.

Der Kontext der Truman-Doktrin

Während des Zweiten Weltkriegs hatten die späteren Siegermächte nur den Sieg über die Achsenmächte Deutschland, Italien, die Türkei und Österreich im Sinn. Um den europäischen Kontinent von der Herrschaft der Nationalsozialisten zu befreien, gingen Staaten Allianzen ein, die unter anderen Bedingungen vermutlich nie zustande gekommen wären.

Nach dem Sieg über das Deutsche Reich und der folgenden Aufteilung der Gebiete kam es vermehrt zu Spannungen zwischen den Siegermächten, vornehmlich zwischen den USA und der Sowjetunion. Die jeweiligen Interessen entwickelten sich zunehmend auseinander, besonders in Bezug auf die Überzeugungen, wie mit den besiegten Ländern in Europa zukünftig umzugehen sei und wie deren politisches System aussehen solle.

Die Gründe für das Entstehen der Truman-Doktrin

Zudem brachte die UdSSR die Länder Osteuropas immer mehr unter ihren Einfluss. In Polen, Weißrussland, die Ukraine und Bulgarien kamen pro-kommunistische politische Kräfte an die Macht, die offen von der Sowjetunion unterstützt wurden und sich so immer mächtigere Positionen in diesen Ländern sichern konnten. Die Opposition und politisch Andersdenkende erfuhren wenig von der Gleichheit und Meinungsfreiheit, die die westlichen Siegermächte als maßgeblich für eine freie Demokratie verstanden. Im Rahmen dessen kam es zu immer mehr ideologischen Konflikten zwischen Ost und West, was auf lange Sicht die ganze Welt in den Kalten Krieg ziehen sollte.

In der Konferenz von Jalta im Jahr 1945 war nämlich beschlossen worden, dass Europa nach dem Ende des Krieges unterstützt werden sollte, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen und die enormen Kriegsschäden zu kompensieren. Die europäischen Staaten sollten wieder eigenständig werden und keine Vasallenstaaten einer Siegermacht werden, auch wenn natürlich USA und UdSSR ihren Einfluss absichern wollten. Stalin hatte auf der Jalta-Konferenz zugesichert, dass in allen Staaten, die in der Hemisphäre der Sowjetunion lagen, freie Wahlen stattfinden sollten. Bereits 1947 jedoch wurde dieses Versprechen gebrochen, als in Polen die Stimmabgabe außer Kraft gesetzt wurde. Der britische Premierminister Churchill schuf schließlich den Begriff des "Eisernen Vorhangs", der in Europa niedergehe, als er während einer Rede 1946 die autoritäre Machtgestaltung der UdSSR beschrieb.

Die USA wollten langfristig ihre Streitkräfte vollständig aus Europa zurückziehen, da die Bevölkerung zunehmend die Rückkehr der Soldaten ins eigene Land forderte. Da so klar war, dass die Stellung Amerikas in Europa nicht durch militärische Stärke gehalten werden konnte, wollten die USA vermehrt auf Zusammenarbeit, Austausch und Entwicklung setzen. So sollten Verbündete statt Untergebene geschaffen werden, die die amerikanischen Interessen wahren sollten. Die Sowjetunion hingegen beließ ihre Streitmacht, die rund 4 Millionen Soldaten umfasste, weitestgehend den von ihr annektierten Regionen, was von den westlichen Alliierten als Dominanzverhalten angesehen wurde.

Der zweite große Streitpunkt, der schließlich zu einem tiefen Bruch zwischen Ost- und Westmächten führte, war das Atomwaffenprogramm der Sowjetunion. Mit dem Baruch-Plan wollten die USA, dass alle atomaren Waffen und Programme zu deren Entwicklung an eine internationale und unabhängige Behörde gehen solle. Diese sollte den Namen "Internationale Behörde für Atomentwicklung und die Überwachung von Atomenergievorhaben" tragen. Bis dato waren die USA das einzige Land gewesen, das Atomwaffen in einem nennenswerten Umfang aufgebaut hatte, die Sowjetunion stand diesbezüglich noch am Anfang. Stalin lehnte diesen Wunsch der USA umgehend ab, da er ihn als Einmischung in die inneren Interessen der UdSSR verstand und sich nicht der in seinen Augen westlichen Dominanz beugen wollte.
Als Folge wurden in den westlichen Öffentlichkeiten - vor allem in den USA - Empörung und Enttäuschung laut, der Sowjetunion wurden wirtschaftliche und politische Maßnahmen angedroht, sollte sie die Kontrolle über atomare Waffen nicht zumindest teilweise abgeben.

Was waren die Folgen der Truman Doktrin?

Die Truman-Doktrin, die sich explizit gegen den Kommunismus richtete und im Rahmen der "Containment-Policy" (deutsch: Containment-Politik) seine Verbreitung unbedingt verhindern wollte, hatte noch Jahrzehnte Bestand. Erst in den späten achtziger Jahren und dann endgültig nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ließen die enormen Spannungen zwischen Ost und West nach.

Als Reaktion auf die offene Anfeindung des Kommunismus in Form der Doktrin des amerikanischen Präsidenten setzte in der Sowjetunion eine Hochrüstung ein. In der UdSSR selbst und in den angeschlossenen Ländern Ost- und Südosteuropas wurde der Kommunismus als Staatsform durchgesetzt und weiterhin demokratische Systeme außer Kraft gesetzt. Die Truman-Doktrin wurde jedoch als direkter Affront gesehen und vertiefte die Gräben zwischen Ost und West noch mehr. Auch die militärische Aufrüstung nahm an Fahrt auf, falls es zu einem kriegerischen Konflikt kommen sollte, wollte die UdSSR gerüstet sein. Dieses Wettrüsten intensivierte sich noch mehr in den darauf folgenden Jahrzehnten und wurde zum Symbol des Kalten Krieges.

Auch im Hinblick auf die Verwaltung des besiegten Deutschlands wirkte sich diese Konfliktlinie aus. Trumans Äußerung bedeutete den endgültigen Bruch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Bezug auf deren zuvor gemeinsamen Deutschlandpolitik. Diese hatte schon zuvor deutlich an Kooperation und Rücksprache eingebüßt, doch nun trieben die beiden Teile des Landes politisch förmlich auseinander. Die Sowjetunion installierte in der DDR die gleichen politischen Organe und Mechanismen wie in Russland selbst, die USA hingegen setzten auf die Förderung der Selbstverwaltung und Demokratie.

Der Marshall-Plan, der als riesiger Hilfs- und Konjunkturprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA an die westeuropäischen Länder ging, war eine bis dahin beispiellose wirtschaftliche Hilfe. Die Bedingung war jedoch, dass sich nutznießende Staaten nicht mit der UdSSR zusammenschließen und auch keine kommunistischen Truppen in ihrem Territorium dulden durften. Diese Gestaltung ist ein Beispiel dafür, wie die USA die Truman-Doktrin in außenpolitischer Hinsicht untermauerten.

Quellen und weitere Informationen

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