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Was war der Baruch-Plan?

Baruch Plan vorgestellt und erklärt

Der Baruch-Plan des US-Politikberaters Bernard Mannes Baruch (1870 – 1965) sollte die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindern. Baruch arbeitete den Plan schon vor den ersten US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki (6. und 9. August 1945) aus, die US-Regierung warb später dafür bei ihren Alliierten. Allerdings sperrte sich vor allem die Sowjetunion gegen den Plan. Bernard Baruch hatte so eine Entwicklung befürchtet. Von ihm stammt der Begriff des „Kalten Krieges“ (siehe auch: "Warum kam es zum Kalten Krieg?", der anschließend bis Ende der 1980-er Jahre die Welt beherrschte.

Grundlegende Intention des Baruch-Plans

Während das US-Militär an der Entwicklung der ersten Atombomben arbeitete, gab es in der US-Regierung Überlegungen, wie sich deren Verbreitung verhindern ließe. Bernard Baruch arbeitete einen diesbezüglichen Plan aus, den die US-Regierung 1946 den Vereinten Nationen vortrug.

Im Kern sollten der Brennstoffkreislauf und sämtliche nukleare Aktivitäten der Kontrolle der UN-Atomenergiekommission unterworfen werden, wie es heute größtenteils per Kontrolle durch die 1957 gegründete IAEA der Fall ist. Zur Kontrolle sollten auch Vor-Ort-Inspektionen gehören.

Die USA versprachen im Gegenzug, bei der zeitnahen Umsetzung des Plans ihre eigenen Kernwaffen abzurüsten. Die Sowjetunion unter Stalin, die ihrerseits kurz vor der Fertigstellung ihrer ersten Atombombe stand, lehnte den Plan ab. Sie wollte weder Vor-Ort-Inspektionen im eigenen Land zulassen noch die vorgeschlagene Reihenfolge des amerikanischen Vorschlags – zuerst Kontrollen, dann Abrüstung – akzeptieren. Sie legte allerdings einen Gegenvorschlag mit umgekehrter Reihenfolge vor, den die Amerikaner ablehnten. Die erfolglosen Verhandlungen wurden von der Atomenergiekommission Anfang der 1950-er Jahre beendet.

Entwicklung des Baruch-Plans

Der Baruch-Plan war Bestandteil des Acheson-Lilienthal-Berichts an die UNAEC (UN-Atomenergiekommission) im Juni 1946. Acheson war Staatssekretär in der US-Bundesregierung, Lilienthal Rechtsanwalt und Politikberater. Ihr Bericht fasste den Stand der internationalen Bemühungen um Atomwaffenkontrolle zusammen.

Deren Bedeutung war inzwischen durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki bekannt. Die Sowjetunion, die sich unter anderem (ebenso wie die USA) der Expertise deutscher Wissenschaftler aus Nazi-Deutschland bemächtigt hatte (die ebenfalls vor 1945 fast eine Atombombe entwickelt hätten), hatte die Entwicklung einer eigenen Atombombe forciert. Ihre ersten Tests führte sie 1949 durch.

Die USA, Kanada und Großbritannien und Kanada forderten die Gründung einer internationalen Organisation für die Regulierung der Atomenergie. Die Gründung der UNAEC (United Nations Atomic Energy Commission) folgte 1946, nachdem US-Präsident Truman Acheson und Lilienthal aufgefordert hatte, einen Atomwaffenrüstungskontrollplan auszuarbeiten. In diesen flossen Baruchs Überlegungen maßgeblich ein.

Inhalte des Baruch-Plans

Der Baruch-Plan umfasste im Kern folgende Punkte:

  • Die Staaten sollten ihre grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Atomenergie untereinander austauschen, um eine heimliche Aufrüstung zu unterbinden.
  • Die Entwicklung der Kernenergie sollte so weit kontrolliert werden, dass sie prinzipiell für friedliche Zwecke genutzt wird.
  • Atomwaffen sollten ebenso wie andere Massenvernichtungswaffen verboten werden.
  • Es sollte hierfür ein wirksames Kontrollsystem geschaffen werden. Zu diesem sollten die von der Sowjetunion monierten Vor-Ort-Inspektionen gehören.
  • Diejenigen Staaten, die schon Atomwaffen besaßen – zu diesem Zeitpunkt nur die USA – sollten diese nach der Umsetzung des Plans abrüsten.

Widerstand der UdSSR

Die UdSSR (Sowjetunion) lehnte den Plan vorrangig mit dem Argument ab, dass die UN von den USA und ihren westeuropäischen Verbündeten dominiert werde. Man vertraue daher nicht auf eine ausgewogene Kontrolle, hieß es von den Sowjets. Daher solle Amerika zuerst seine eigenen Atomwaffen abrüsten – danach könne man das vorgeschlagene System der Rüstungskontrolle einführen. Das lehnten die USA ab. Daran scheiterte am Ende der Plan.

Wie entwickelte sich die Rüstungskontrolle weiter?

Nach dem die UdSSR ab 1949 eigene Atomwaffen besaß, entwickelte sie durchaus Interesse an einer Rüstungskontrolle. Dieses verstärkte sich noch nach dem Tod Josef Stalins im Jahr 1953.

Der Baruch-Plan wurde dennoch nicht umgesetzt, denn er hatte vorgesehen, dass die Veto-Mächte der UN auf ihr Vetorecht bei der Umsetzung des Plans – insbesondere bei der Sanktionierung von Abweichlern – nicht wahrnehmen sollten. Dies waren damals die USA, die Sowjetunion (heute als Rechtsnachfolger Russland), China, Frankreich und Großbritannien, die heute auch alle offizielle Atommächte sind (Großbritannien seit 1952, Frankreich seit 1960, China seit 1964).

Die Rüstungskontrolle bezüglich der Atomwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen entwickelte sich dennoch weiter. Die von Baruch angedachten Vor-Ort-Inspektionen in Staaten, die Atomwaffen besitzen oder sie entwickeln könnten, wurden ab den späten 1950-er Jahren durch die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) schrittweise eingeführt. Sie funktionieren mehr oder weniger gut, wie etwa das Beispiel Iran beweist.

Allerdings entwickelten auch Staaten Atomwaffen, die bis heute nicht zu den offiziellen Atommächten gehören, nämlich Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea. Vom Iran und auch von Saudi-Arabien vermutet man, dass nur wenige Schritte bis zur Entwicklung einer funktionsfähigen Atombombe fehlen, was insbesondere im Fall Irans als sehr heikel gilt.

Die offiziellen Atommächte wiederum initiierten den Atomwaffensperrvertrag, dem 2015 fast alle Staaten der Welt (191) beitraten. Er verbietet die Proliferation (Weiterverbreitung) von Atomwaffen. Die USA und die Sowjetunion einigten sich ab Ende der 1980-er Jahre auf ein umfassendes Abrüstungsprogramm bei Atomwaffen. Damit wurden viele Ziele des Baruch-Plans wenigstens in Teilen und auch viel später als gewünscht erreicht.

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